Ghost E-Riot CF Full Party im Langzeittest: ein Jahr E-Enduro-Alltag
Ein Jahr, viele Höhenmeter, ein paar Flüche und ziemlich viel Grinsen — so lässt sich unsere Zeit mit dem Ghost E-Riot CF Full Party zusammenfassen. Auf dem Papier ist es Ghosts Kampfansage im E-Enduro-Segment: Carbon-Rahmen, der neue Bosch-CX-Motor, ein werkzeuglos wechselbarer 800-Wh-Akku — keine Selbstverständlichkeit in dieser Klasse —, Fox-38-Fahrwerk mit 170/160 mm und Mullet-Laufräder.
Und auf dem Trail? Da ist es fahrerisch eines der besten E-Enduros, die wir je unterm Hintern hatten — wendig, verspielt und trotzdem satt. Aber ein Jahr Alltag deckt eben auch die Stellen auf, an denen Ghost geschlampt hat. Von beidem erzählen wir hier.
📋 Details Ghost E-Riot CF Full Party (2025)
- ⚙️ Motor: Bosch Performance Line CX (Gen 5) — der aktuelle CX, bei uns absolut zuverlässig
- 🔋 Akku: 800 Wh, entnehmbar durchs Unterrohr, mit Abus-Schloss gesichert
- 🖥️ Bedienung: Bosch System Controller im Oberrohr integriert, Kiox 300 + Mini Remote — aufgeräumtes Cockpit
- 🍴 Fahrwerk: Fox 38 (vorn, 170 mm) / Fox-Dämpfer (hinten, 160 mm)
- 🛞 Laufräder: Mullet (29″ vorn / 27,5″ hinten), 2,6″-Bereifung
- 🛑 Bremsen: SRAM Maven, 220-mm-Scheiben
- 🏗️ Rahmen: Carbon
- ⚖️ Gewicht: unser Aufbau ca. 23,7 kg — selbst gewogen, mit 800-Wh-Akku und Pedalen
- 💶 Preis: UVP 9.000 € (Full Party), Straßenpreise deutlich darunter
🎢 Fahrverhalten: wendig UND satt — das können wenige
Schwere E-Enduros haben meist einen von zwei Charakteren: träger Dampfer oder nervöses Spielmobil. Das E-Riot hat uns schon auf der ersten Ausfahrt überrascht, weil es sich für keinen von beiden entschieden hat. Es ist richtig wendig und agil — enge Kehren, schnelle Richtungswechsel, die verspielte Linie über die Wurzel statt daran vorbei: alles geht erstaunlich leicht von der Hand. Und wenn es schnell und ruppig wird, liegt es einfach satt da, als hätte es nie etwas anderes vorgehabt. Nach einem Jahr ist genau das der Grund, warum wir immer wieder gern aufsteigen: Es gibt keinen Tag, an dem sich dieses Bike falsch anfühlt.
Ihren Anteil daran hat die 2,6″-Bereifung — die bügelt wirklich alles weg. Wurzelteppiche, Bremswellen, verblocktes Zeug: einfach drüber. Zugegeben, manchmal ist sie uns fast zu dick — der Untergrund meldet sich nur noch gedämpft, und wer es präziser mag, wird mit 2,4″ glücklicher. Wir haben es ausdiskutiert und sind bei 2,6″ geblieben. Der Komfort hat gewonnen 🙂
⚙️ Motor & Akku: stark und zuverlässig — aber nicht mehr die Referenz
- ✅ Der neue Bosch CX (Gen 5) lief bei uns ein Jahr lang absolut zuverlässig — kein Aussetzer, kein Software-Drama, kein Werkstattbesuch
- ⚖️ Ehrliche Einordnung: Der CX ist ein sehr guter Motor — aber die Messlatte hat sich verschoben. Der DJI Avinox ist ihm schlicht überlegen: spürbar mehr Punch bei weniger Gewicht — wir fahren ihn selbst im Meta Power SX. Wer heute neu vergleicht, sollte beide gefahren sein
- ✅ Akku-Wechsel ist vorbildlich: 800 Wh, durchs Unterrohr entnehmbar, mit Abus-Schloss gesichert. Zweitakku rein, weiterfahren — so muss das
- 💡 Geheimtipp PowerTube 600: Wir hatten zeitweise auch den kleineren 600er-Akku im Rahmen — der ist spürbar leichter, passte genauso gut ins Bike, und das ohnehin agile E-Riot wird damit noch wendiger und verspielter. Wer zwei Akkus fährt: 800er für die große Tour, 600er für den verspielten Feierabend — beste Kombination
- ✅ Die integrierte Bedienung hält das Cockpit aufgeräumt — kein klobiges Display am Lenker
🧐 Geschmackssache: Optik und Unterrohr
Das Unterrohr ist wuchtig — da wohnen nun mal 800 Wattstunden. Zusammen mit der markanten Linienführung ist die Optik Geschmackssache. Wir mögen sie sogar — zumal bei uns statt der schwarzen Serien-Gabel eine orange Fox 38 drinsteckt, was dem Bike richtig gut steht. Wer cleane Understatement-Räder mag, schaut woanders; wer ein Statement will, ist hier richtig.
👎 Was uns nach einem Jahr nervt
Jetzt der Teil, für den man ein Bike ein Jahr fahren muss — die Dinge, die in keinem Ersteindruck stehen und uns trotzdem regelmäßig beschäftigt haben:
- 🙈 Das Akku-Cover ist ein Witz. Es fällt ständig ab — einmal hat es uns das Ding sogar auf der Autobahn vom Heckträger geweht. Bei einem Bike dieser Preisklasse schlicht peinlich. Unsere Lösung: mit Klettband gesichert, seitdem Ruhe. Aber das sollte man bei 9.000 € UVP nicht selbst lösen müssen.
- 🛑 Der Maven-Druckpunkt ist einfach schlecht. Verbaut ist bei uns die erste Generation (A1), und der wandernde Druckpunkt deckt sich exakt mit unserer Erfahrung am Commencal Supreme. Entlüften und die üblichen Tricks helfen auch hier nicht nachhaltig. 💡 Nachtrag 2026: Inzwischen gibt es die überarbeitete Maven B1, und für A1-Besitzer wie uns Tuning-Kits ab rund 30 €. Die ändern aber nur die Hebelseite — dazu unten mehr in den FAQ.
- 🔊 Bowdenzüge klappern innen — trotz ordentlicher Liner. Die gute Nachricht: Die Züge sind leicht zugänglich, mit etwas Tape ist das Klappern in einer Viertelstunde behoben. Trotzdem: ab Werk erwartbar.
- 🪑 Die originale Sattelstütze hatte von Anfang an einen Defekt. Immerhin: Sie wurde anstandslos ersetzt — der Service-Fall lief problemlos.
🙋 Für wen passt das E-Riot CF?
✅ Passt
- 🏔️ Enduro-Fahrer, die Touren und Technisches mischen. Der Spagat aus agil und satt ist genau dafür gebaut.
- 🔋 Vielfahrer und Zweitakku-Nutzer. Der werkzeuglose Akkuwechsel mit Schloss ist einer der besten am Markt.
- 🔧 Wer kleine Nacharbeiten nicht scheut. Klettband ans Cover, Tape an die Züge — danach ist Ruhe.
❌ Eher nicht
- 🛑 Wer mit der Maven nicht leben will und den Umbau nicht einpreisen möchte. Wobei — zur Ehrenrettung: Tauschen lässt sich am E-Riot alles. Bremsen, Lenker, Reifen sind keine Rahmenmerkmale; wer das Bike wegen des Fahrwerks liebt, baut sich den Rest passend.
- 👻 Fans von dezenter Optik. Das wuchtige Unterrohr und die Linienführung sind ein Statement.
- 🪶 Gewichts-Fetischisten. 23 kg sind für die Klasse normal, aber kein Leichtbau.
⭐ Fazit
Nach einem Jahr müssen wir zugeben: Dieses Bike ist uns ans Herz gewachsen — trotz allem. Fahrerisch und beim Antrieb ist das E-Riot CF Full Party hervorragend: wendig und satt zugleich, ein Motor, der einfach immer läuft, und ein Akku-Konzept, das Maßstäbe setzt.
Und trotzdem mussten wir zwischendurch den Kopf schütteln: ein Akku-Cover, das ohne Klettband davonfliegt, eine Maven, deren Druckpunkt uns nun schon am zweiten Bike ärgert, klappernde Züge, eine defekte Sattelstütze ab Werk. Nichts davon ist ein Dealbreaker — aber bei einem 9.000-€-Bike fühlt sich jeder dieser Punkte ein bisschen respektlos an.
Unterm Strich? Wer die zwei Stunden Bastelei investiert (und mittelfristig über andere Bremsen nachdenkt), bekommt eines der besten E-Enduros, die man derzeit kaufen kann. Wir haben es keinen Tag bereut — und wenn morgen jemand fragt, ob wir es wieder kaufen würden: sofort 🙂
❓ Häufige Fragen zum Ghost E-Riot CF Full Party
Wie fährt sich das E-Riot CF?
Erstaunlich wendig und agil für ein 23-kg-E-Enduro — und gleichzeitig satt und ruhig, wenn es schnell und ruppig wird. Diesen Spagat schaffen wenige Bikes der Klasse; nach einem Jahr ist das für uns die größte Stärke.
Wie zuverlässig ist der Bosch CX Gen 5?
Bei uns nach einem Jahr: absolut zuverlässig. Kein Aussetzer, kein Software-Problem, kein ungeplanter Werkstattbesuch. Kraft und Software-Anbindung sind gut — nur die Referenz ist der CX nicht mehr: Der DJI Avinox liefert spürbar mehr Leistung bei weniger Gewicht. An der Zuverlässigkeit des Bosch gibt es aus unserem Jahr aber nichts zu meckern.
Ist der Akku entnehmbar?
Ja, und zwar vorbildlich: Der 800-Wh-Akku kommt durchs Unterrohr heraus und ist mit einem Abus-Schloss gesichert. Zweitakku-Betrieb ist damit alltagstauglich — einer der besten Akkuwechsel am Markt.
Passt auch der kleinere PowerTube 600?
Ja — wir sind zeitweise mit dem 600er gefahren. Er ist spürbar leichter, sitzt genauso sauber im Rahmen, und das Bike wird damit noch agiler und wendiger. Für verspielte Feierabendrunden fast die schönere Wahl; für lange Touren bleibt der 800er gesetzt.
Wie schlägt sich die 2,6″-Bereifung?
Sie bügelt wirklich alles weg — Wurzeln, Bremswellen, Geröll. Ehrlicherweise ist sie fast zu dick: Das Untergrund-Feedback wird stark gefiltert. Wer es präziser mag, wechselt auf 2,4″; wir sind beim Komfort der 2,6″ geblieben.
Was taugt die SRAM Maven am E-Riot?
Der Druckpunkt wandert — bei uns wie schon am Commencal Supreme, und die verbaute erste Generation (A1) ist nach unserer Erfahrung nicht optimal. Entlüften hilft nicht nachhaltig. Bremskraft ist reichlich da, aber das Druckpunkt-Thema würde uns mittelfristig zum Umbau treiben.
Seit 2026 gibt es die überarbeitete B1: leichtgängigerer Hebel durch den neuen SwingLink und im Bremssattel vier gleich große 18-mm-Kolben statt 2 × 18 mm und 2 × 19,5 mm. Nachrüsten lässt sich davon allerdings nur der Hebel — die Tuning-Kits (goldener SwingLink, neue Hebelblätter, Buchsen und Schrauben) kosten je nach Modell rund 30 bis 80 €, sind in etwa zehn Minuten eingebaut und brauchen kein Entlüften, weil alles auf der trockenen Seite der Bremse passiert. Heißt aber auch: Am Bremssattel ändert sich nichts. Besseres Hebelgefühl ja — die Lösung fürs Druckpunkt-Thema ist das Kit nach allem, was wir dazu lesen, eher nicht.
Was ist das Problem mit dem Akku-Cover?
Es fällt ständig ab — uns ist es sogar einmal auf der Autobahn vom Heckträger geweht. Für diese Preisklasse ein Witz. Wir haben es mit Klettband gesichert, seitdem ist Ruhe. Kostenpunkt zwei Euro, Ärger-Faktor trotzdem hoch.
Klappert das Bike?
Ab Werk klappern die innenverlegten Bowdenzüge trotz ordentlicher Liner. Die Züge sind aber leicht zugänglich — mit etwas Tape ist das in einer Viertelstunde dauerhaft behoben.
Wie war der Service bei Problemen?
Unsere originale Sattelstütze hatte von Anfang an einen Defekt und wurde anstandslos ersetzt. Der Garantiefall lief unkompliziert — so soll es sein.
Ist die Optik nicht sehr speziell?
Geschmackssache — das Unterrohr ist wuchtig (da sitzen 800 Wh drin), die Linienführung markant. Wir mögen sie sogar, zumal mit der orangen Fox 38, die bei uns die schwarze Seriengabel ersetzt. Understatement sieht anders aus.
Was kostet das E-Riot CF Full Party?
UVP liegt bei 9.000 € — die Straßenpreise liegen wie üblich deutlich darunter, je nach Saison und Verfügbarkeit. Angesichts von Carbon-Rahmen, Fox-38-Fahrwerk, Bosch CX Gen 5 und 800-Wh-Akku ist das marktüblich.
- ✅ Wendig und agil UND satt liegend — der seltene Spagat gelingt
- ✅ Bosch CX Gen 5 ein Jahr lang absolut zuverlässig
- ✅ Akku-Wechsel vorbildlich: 800 Wh durchs Unterrohr, Abus-Schloss
- ✅ PowerTube 600 passt auch — leichter und noch agiler
- ✅ 2,6"-Bereifung bügelt alles weg
- ✅ Integrierte Bosch-Bedienung, aufgeräumtes Cockpit
- ✅ Garantiefall Sattelstütze anstandslos abgewickelt
- ❌ Akku-Cover fällt ständig ab — für die Preisklasse ein Witz (Klettband-Fix nötig)
- ❌ SRAM Maven: wandernder Druckpunkt, wie schon am Supreme — auch B1 nicht optimal
- ❌ Bowdenzüge klappern innen trotz Liner (mit Tape leicht behebbar)
- ❌ Original-Sattelstütze ab Werk defekt
- ❌ 2,6"-Reifen fast zu dick — filtert viel Feedback
- ❌ Wuchtiges Unterrohr, Optik Geschmackssache
Zusammenfassung: Wendig, satt, zuverlässiger Antrieb — aber der DJI Avinox ist dem CX überlegen, und Akku-Cover, Maven und Zugklappern muss man selbst wegbasteln.





































